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Pressemitteilung: Gegen Symbolpolitik im Netz: Warum Social-Media-Verbote keinen Schutz für Kinder und Jugendliche darstellen
Angesichts der aktuellen Debatte um strikte Altersbeschränkungen und Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche warnt Anne-Mieke Bremer vor den negativen Folgen einer rein restriktiven Digitalpolitik. Statt auf Abschottung zu setzen, müsse die Stärkung digitaler Rechte und der Plattformregulierung im Fokus stehen.
„Social-Media-Verbote klingen nach einer einfachen Lösung für komplexe Probleme, doch sie schützen junge Menschen nicht vor den Gefahren im Netz, sie verschieben sie lediglich“, erklärt Anne-Mieke Bremer. „Der digitale Raum ist längst ein Bestandteil unserer Gesellschaft und der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen, wie für Erwachsene. Wer Kinder und Jugendliche davon abschirmt, nimmt ihnen die Chance, unter Begleitung einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien zu erlernen.“
Folgende vier Punkte verdeutlichen, warum starre Verbote am eigentlichen Problem vorbeigehen:
1. Digitale Rechte sind Kinderrechte: Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Zugang zu Medien sowie auf Meinungs- und Informationsfreiheit. Social Media ist für sie ein zentrales Mittel, um Kontakt zu Gleichaltrigen zu halten und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Ein Verbot greift massiv in diese Freiheitsrechte ein.
2. Verbote schaffen falsche Sicherheit: Technische Sperren können umgangen werden. Wenn Kinder jedoch erst mit 16 Jahren ohne vorherige Begleitung mit Phänomenen wie Cybergrooming oder Desinformation konfrontiert werden, fehlt ihnen die notwendige Medienkompetenz. „Wir brauchen keine Verbote, sondern eine Bildungsoffensive. Medienkompetenz muss fester Bestandteil der Ausbildung von Lehr- und Erziehungskräften sein“, so Anne-Mieke Bremer.
3. Gefahr für den Datenschutz aller Nutzer*innen: Eine konsequente Altersverifizierung würde faktisch eine Ausweispflicht für alle Internetnutzer*innen bedeuten. Dies führt zu einer massiven Anhäufung privater Daten bei Plattformbetreibern und birgt die Gefahr einer flächendeckenden Überwachung durch zweifelhafte Verifizierungstools.
4. Plattformen in die Pflicht nehmen, nicht die Nutzer*innen: Anstatt die Freiheit der Nutzer*innen einzuschränken, fordert Anne-Mieke Bremer eine strikte Regulierung der Konzerne: „Das Problem sind nicht die Jugendlichen auf den Plattformen, sondern die Geschäftsmodelle dahinter. Wir müssen Plattformen dazu verpflichten, schädliche Algorithmen zu entschärfen und den Schutz der Privatsphäre standardmäßig zu gewährleisten.“
Daraus lassen sich Forderungen für eine zeitgemäße Digitalpolitik ableiten:
- Strikte Plattformregulierung: Algorithmen müssen auf das Gemeinwohl und den Jugendschutz statt auf maximale Verweildauer optimiert werden.
- Social Media als öffentlicher Raum: Plattformen dürfen nicht als private Geschäftsmodelle agieren, sondern sollen Orte des demokratischen Austauschs darstellen.
- Stärkung des Umfelds: Ausbau niedrigschwelliger Hilfs- und Weiterbildungsangebote für Eltern, Bezugspersonen und pädagogisches Personal.
„Wir müssen den digitalen Raum so sicher gestalten, dass Kinder sich darin bewegen können, anstatt sie auszusperren und sie später unvorbereitet den Risiken auszusetzen“, sagt Anne-Mieke Bremer.

