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Presse

Pressemitteilung zur Kleinen Anfrage „Werbemaßnahmen und Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr im Gaming- und Videospielbereich“

Seit vielen Jahren wirbt die Bundeswehr auf der der mittlerweile größten Videospielmesse der Welt, der gamescom in Köln. Dort präsentiert sie sich dem jungen, meist technikaffinen Publikum als moderner Arbeitgeber mit spannenden und abwechslungsreichen Aufgabenfeldern. Der Bundeswehr geht es bei ihrem Auftritt darum, für den Wehrdienst und die womöglich kommende Wehrpflicht zu werben. Dabei ist die Bundeswehr eine von nur noch wenigen Armeen weltweit, die Minderjährige an der Waffe ausbildet. Das führt zu der absurden Situation, dass 17-Jährige auf der gamescom nicht alle Shooter-Spiele ausprobieren dürfen, da diese erst ab 18 Jahren freigegeben sind, dieselben Jugendlichen aber schon bei der Bundeswehr unterschreiben können und dann von der staatlichen Armee an echten Waffen ausgebildet werden.

Wie unsere Kleine Anfrage zeigt, verstärkt die Bundeswehr dieses Engagement nun zusehends. Im letzten Jahr trat sie mit einem breiten Spektrum an testbaren Gefechtssimulatoren, Robotern und cosplaybaren Uniformen auf. Neben der Standgröße erhöhten sich auch der Personaleinsatz sowie die Werbe- und Standkosten signifikant. Dabei stiegen allein die Kosten für den größeren Stand im Vergleich zum Vorjahr um 76 % auf 144.585 Euro. Erstmalig seit 2019 kam im Jahr 2025 eine lokale Werbe- und Merchandisekampagne für 74.355 Euro hinzu, welche unter anderem T-Shirts mit dem geschmacklosen Slogan „Bereit für das nächste Level“ beinhaltet. Insgesamt 722 interessierte, teilweise minderjährige Personen gaben der Bundeswehr auf der letztjährigen Messe ihre Kontaktdaten und konnten daraufhin zu Rekrutierungszwecken kontaktiert werden.

Dazu erklärt Anne-Mieke Bremer, gamespolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag:

„Es ist besorgniserregend, wie strategisch die Bundeswehr hier ansetzt. Sie trifft auf viele junge Spieler*innen, die sich dem Thema Krieg bisher vor allem über Videospiele genähert haben. Die Darstellungen dort sind jedoch häufig stark ideologisiert und werden allein aus kommerziellen Erwägungen verharmlost. Realistische Abbildungen der Grausamkeiten des Krieges hätten schließlich eine höhere Alterseinstufung und damit potenziell weniger Absatz zur Folge. Für die Bundeswehr bietet diese verzerrte Wahrnehmung eine willkommene Grundlage, um sich dieser Zielgruppe zu nähern. Ich möchte klarstellen: Ich verurteile nicht den Konsum von Videospielen, auch nicht solcher, die Kriegshandlungen darstellen. Zocken ist für viele von uns ein Hobby, bei dem wir gemeinsam mit Freund*innen Abenteuer erleben, Strategien entwickeln oder einfach abschalten können. Mir ist es jedoch wichtig, eine kritische Auseinandersetzung mit den dargestellten Inhalten anzuregen und dafür zu sorgen, dass Gaming-Communities nicht zum Ziel militärischer Agitation oder gar zur bevorzugten Rekrutierungsgruppe werden.“

Ebenfalls bemerkenswert ist, dass die Bundeswehr einräumt, ihre Übungs- und Gefechtssimulatoren mit gängigen Videospiel-Eingabegeräten auszustatten. Es wird also mit Controllern, die in vielen Kinderzimmern zu finden sind, das Töten von Menschen eingeübt. Es ist zu erwarten, dass diese Bemühungen beim diesjährigen Messeauftritt angesichts der für die Bundesregierung unzufriedenstellenden Rekrutierungszahlen weiter zunehmen werden.

Anne-Mieke Bremer weiter:

„Ich werde in diesem Jahr die gamescom besuchen, um mir persönlich ein Bild von dem erneut üppig ausgestatteten Werbestand der Bundeswehr zu machen, die sich dort als moderner und risikofreier Arbeitgeber tarnt. Im Krieg gibt es keinen Respawn oder Autosave. Genauso wenig, wie die Bundeswehr an Schulen gehört, sollte sie auf Gaming-Events oder Sportveranstaltungen präsent sein. Das ist perfide und dagegen werden wir uns sowohl mit aktiver Bildungsarbeit als auch im Parlament entschieden einsetzen.“

Weitere Berichterstattung: 
www.nd-aktuell.de/artikel/1201247.bundeswehr-rekrutierung-auf-der-videospielmesse.html

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