Über Mich
Mein ganzes Leben schon beiße ich mich durch ein System, dass nicht für die Menschen, nicht für das gute Leben, gemacht ist, sondern für den Erhalt des Wohlstands einzelner. Wer nicht nach kapitalistischer Verwertungslogik funktioniert, spürt schnell die Grenzen unseres ganzen Systems. Ich glaube aber daran, dass eine andere Welt möglich ist.
Mein Name ist Anne-Mieke Bremer, ich bin 1991 in Neustadt am Rübenberge geboren und in Nienburg/Weser aufgewachsen. Dort habe ich bis heute meinen Lebensmittelpunkt.
Ich habe die Realschule absolviert, über meine Ausbildung eine Hochschulzugangsberechtigung erworben und mit 29 meinen Bachelor in Sozialer Arbeit gemacht. Als jüngstes Kind einer Arbeiterin und eines Soldaten, habe ich als einzige der drei Kinder einen Hochschulabschluss.
Im ländlichen Raum aufzuwachsen, ging für mich schon immer damit einher, sich ehrenamtlich und politisch zu engagieren und das eigene Lebensumfeld aktiv mitzugestalten. Ich blicke auf fast 20 Jahre ehrenamtlichen Einsatz zurück – sei es in der Jugendkulturförderung, in der Konzertorganisation, in antifaschistischen Strukturen oder in der Partei Die Linke. Da wo ich aufgewachsen bin, musste man selbst die Soziale Bewegung sein.
Als Sozialarbeiterin habe ich einige Jahre in der Gemeinwesenarbeit mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet, um ihnen genau den Rahmen zu geben, den es braucht, um sich politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Vor meinem Einzug in den Bundestag war ich als Sozialarbeiterin in der Oberschule tätig. In meinem Job, egal ob in der Schule oder im Begegnungszentrum, habe ich tagtäglich gesehen, welche Konsequenzen die bundespolitischen Entscheidungen, die Aufrüstungs- und Kürzungspolitik, auf den Alltag der Familien haben und wie sich die Situation der Menschen Jahr für Jahr weiter verschlechtert. Armut ist eine politische Entscheidung und dem gilt es sich konsequent entgegenzustellen.
Ich kenne aber beide Seiten vom Schreibtisch. Als junge Erwachsene habe ich am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet in Deutschland arm zu sein. Wie es sich anfühlt plötzlich mit Nichts dazustehen, Angst um die Wohnung zu haben und mit welcher Stigmatisierung man in den Behörden und Ämtern konfrontiert wird. Statt Menschen in Notsituationen aufzufangen, werden sie sanktioniert und klein gemacht. Ich stehe an der Seite derjenigen, die von diesen Behörden gegängelt und im Regen stehen gelassen werden.
Als Frau mit ADHS, aber ohne Diagnose aufzuwachsen, hat mich in meinem Leben immer wieder vor verschiedene Herausforderungen gestellt, für die es viele Jahre keine Erklärung gab. Die für mich lebensverändernde Diagnose habe ich erst mit Anfang 30 bekommen. Wer nicht exakt so funktioniert, wie es in der kapitalistischen Gesellschaft vorgesehen ist, spürt schnell die Grenzen von Teilhabe und Toleranz. Unsichtbare Behinderungen spielen in der öffentlichen Debatte kaum eine Rolle: ich setze mich dafür ein, dass auch unsere Perspektiven endlich gehört werden.

