Zum Hauptinhalt springen

Presse

Pressemitteilung über Sony und geplante Obsoleszenz

Sony hat angekündigt, künftig vollständig auf physische Datenträger zu verzichten. Zudem gab das Unternehmen bekannt, die digitalen Stores der älteren Konsolen PlayStation 3 und PlayStation Vita im kommenden Jahr endgültig zu schließen. Auch wenn Nutzer*innen vorerst Zugriff auf bereits gekaufte Titel behalten sollen, sehen wir diese Entwicklungen kritisch, zumal auch andere Hersteller ähnliche Wege einschlagen.

 

Nach Angaben verschiedener Hersteller findet mittlerweile der überwiegende Teil aller Spielekäufe digital statt. Der Verzicht auf physische Datenträger hat dennoch weitreichende Konsequenzen für die Gaming-Community. Es geht nicht nur um den Verlust für enthusiastische Videospielsammler*innen. Wer ein digitales Spiel erwirbt, erhält kein Eigentum, sondern lediglich eine Nutzungserlaubnis auf einer bestimmten Plattform. Durch die Bindung an den persönlichen Account werden Tausch und Weiterverkauf unmöglich gemacht. Dies trifft insbesondere Spieler*innen mit geringerem Budget hart. Hinzu kommt das Risiko, dass die Titel nach einer Einstellung des Dienstes nicht mehr nutzbar sind. Wir beobachten mit Sorge die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle großer Videospielplattformhersteller. Diese vertreiben ihre Konsolen teilweise mit Verlust und sind gezwungen, die Einnahmen über Spielverkäufe und Abonnements entsprechend hochzuhalten. Bietet ein Hersteller seine Spiele ausschließlich im eigenen digitalen Shop an, fällt sowohl die Konkurrenz als auch der Gebrauchtmarkt weg und der Preiswettbewerb wird massiv eingeschränkt. Die digitalen Ökosysteme werden zugunsten der Profite und zum Nachteil der Kundschaft immer stärker abgeschottet.

 

Games leben von der Community, vom Teilen, von gemeinsamen Erlebnissen. Genau diese Aspekte fallen zunehmend den Geschäftsmodellen der großen Hersteller zum Opfer oder werden zumindest gnadenlos monetarisiert. Bereits heute erheben einige Plattformbetreiber hohe Abogebühren, um online mit Freund*innen gemeinsam zu spielen. In Zukunft wird durch den Wegfall des Gebrauchtmarktes für Videospiele noch schwieriger für ärmere Spieler*innen, ihr Hobby zu genießen. Aus meiner Sicht braucht es deshalb nachhaltige rechtliche Anpassungen, idealerweise auf EU-Ebene. Denkbar wären gesetzliche Regelungen für ein echtes digitales Eigentum, welche die Dauerhaftigkeit und Übertragbarkeit digital erworbener Inhalte absichern. Dies ist einer reinen Kennzeichnungspflicht vorzuziehen. Außerdem sollten Publisher bei einer Einstellung des Supports dazu verpflichtet werden, funktionierende Offline-Modi oder die nötige Software bereitzustellen, damit gekaufte Spiele auch nach einer Serverabschaltung dauerhaft spielbar bleiben. Selbstverpflichtungen für die Spieleindustrie, wie zuletzt von der EU-Kommission im Zuge der Befassung mit der "Stop-Killing-Games"-Petition vorgeschlagen, halte ich für den falschen Weg. Es gibt zahlreiche Beispiele für die Wirkungslosigkeit solcher Verpflichtungen. Was mir Hoffnung macht, ist das starke Problembewusstsein der Gaming-Community. Verbraucher*innenfeindliche Geschäftsentscheidungen werden nicht einfach hingenommen. Spieler*innen organisieren sich, formulieren politische Forderungen und bringen sie in Kampagnen ein. Wir unterstützen das und kämpfen gemeinsam für digitale Verbraucher*innenrechte und eine lebendige Gaming-Kultur!

Zurück zum Kopf der Seite